Der deutsche Antilaizismus will die Islamisierung von Migranten

(The new Face of Anti-Racism. Die FSK-Sendung ANILAR FM, Teil 8.2.)

 

Frankreich ist ein laizistischer Staat mit einer strikten Trennung zwischen Kirche und Staat. Mit seiner Durchsetzung des Laizismus erregt das Land seit Jahrzehnten Missfallen in der islamischen Welt. Für Islamradikale ist das DER Grund, um gegen den laizistischen Staat in den Krieg zu ziehen. Mit der sozialen Situation Banlieues haben diese Angriffe absolut nichts zu tun. Laut Bundesverfassungsgericht versteht man in der BRD unter Trennung von Kirche und Staat „eine für alle Bekenntnisse gleichermaßen fördernde Haltung“. Parteiübergreifend wird – unter dem Beifall der Islamverbände – behauptet, der französische Laizismus sei gescheitert. Da sich der französische Staat für religiöse Belange nicht verantwortliche fühle, hätte er die Radikalisierungen in den muslimischen Gemeinden glatt übersehen. Diese falsche und gegenaufklärerische Behauptung – gemessen an der Zahl gläubiger Muslime gingen aus der BRD mehr Dschihadisten nach Syrien – nimmt man dann als Rechtfertigung für den deutschen Antilaizismus: „Angesichts wachsender Polarisierungen in der Gesellschaft“ sei das „deutsche, religionsfreundliche Modell einer Kooperation von Staat & Religion“ dem französischen Laizismus klar überlegen. Für Muslime seien Atheisten und andere  Säkulare unglaubwürdig.  Konfessionslose und Mitläufer eines „ausgehöhlten Christentums“ seien gegenüber Muslimen (und denen die man dazu ernennt) letztlich  hilflos. Mangels eigenen kultureller Identität hätten sie nicht  die Kraft, Menschen aus anderen „Religionen und Kulturen“ zu integrieren. Nur die christlichen Kirchen könnten mit ihnen einen „interreligiösen Dialog“ führen, weshalb man die Islamverbände aufwerten müsse. Auch Erdogans DITIB sei ein Garant dafür, dass es in der BRD kaum  radikalen Islamismus gegeben habe. Der Religionsverein habe „hervorragende Integrationsarbeit“ geleistet. 

 

(8.2.)

Religionsdiskurs

DER DEUTSCHE ANTILAIZISMUS WILL DIE ISLAMISIERUNG VON MIGRANTEN

Das „differenzierte Verständnis“, das man im Hamburger „Freien Sender Kombinat“ (FSK) für eine Radiosendung aufbringt, die für das „Türkentum“ mobilisiert und sogar Funktionäre von AKP und MHP in den Sender einlädt, fügt sich in den deutschen Mainstream ein.

In der BRD ist es heute Staatsdoktrin Migranten und Flüchtlinge nicht nach ihrer politischen Orientierung zu beurteilen (also auch als Subjekte), sondern sie „ethnisch“ (als homogenes Kollektiv) zu betrachten. Die antilaizistische deutsche Politik wertet mit ihrem auf Migranten zielenden Religionsdiskurs den Islam zum zentralen Identitätsfaktor auf. Wer als Migrant noch Gehör finden will, muss zuvörderst  als Muslim auftreten und alle anderen Identitäten verleugnen bzw. relativieren. Es findet also eine Islamisierung der Migranten statt .

Die Rede vom „antimuslimischen Rassismus“ affirmiert und verstärkt diese Islamisierung.  Die Festlegung von Menschen auf eine Religion/Ideologie (mit der sie angeblich unabänderlich durch ihre Kultur verbunden sind) bereitet der Wahrnehmung von Diskrimierungen (die vor nicht allzu langer Zeit noch als „Ausländerfeindlichkeit“ bezeichnet wurden)  als „antimuslimischen Rassismus“ wiederum erst den Boden.

Staatliche Politik und linksalternative Antirassisten arbeiten hier Hand in Hand.
Die Polemik gegen „antimuslimischen Rassismus“ ist Teil einer Religionisierung sozialer Auseinandersetzungen. Begriffe wie „Rassismus“ und „Antirassismus“ erhalten durch ihre Verknüpfung mit Religion eine ganz andere Bedeutung. Die übelsten Rassisten sind am Ende die Atheisten und Laizisten, weil sie „religiöse Gefühle“ verletzen.

Der herrschende Religionsdiskurs und der „promuslimische Antirassismus“ konstruieren eine „Ethnie“, deren Eigenarten unauflöslich mit einer bestimmten Kultur verbunden sind und deren Kern wiederum die Religion ist. Sowohl dem Mainstream-Antirassismus wie auch dem linksalternativen Antirassismus geht es deshalb ständig um „Respekt vor fremden Kulturen und Religionen“.

AKP-Islamisten und islamisierte MHP-Anhänger nehmen dieses deutsche Angebot gerne an.   Leute, die selbst Rassisten und Antisemiten sind (darunter Erdogan), bezeichnen Kritik an ihrer Politik als  Rassismus, Islamophobie oder „antimuslimischen Rassismus“.

Begriffe wie  „antimuslimischer Rassismus“ funktionieren aber erst, nachdem Migranten und Flüchtlinge – unabhängig von ihrer POLITISCHEN Orientierung – vorab als „Gläubige“ definiert werden und wenn „Gläubigkeit“ als ihre zentrale ethnische (unveränderliche) Eigenschaft dargestellt wird.

Es ist als würde Stalinkritik als „antikommunistischer Rassismus“ bezeichnet, weil die Kritik nicht nur den toten Stalin trifft, sondern seine noch lebenden Verehrer.

ANTIRASSISTEN gegen LAIZISMUS


GRÜNE:

Taz 18.01.2015


LINKE:

Das in älteren linken Parteien distanzierte bis feindliche Verhältnis zur Religion weicht heute einem praktischen: man trifft sich in den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen und arbeitet zusammen, wo die Ziele ähnlich sind. Die Frage ist nicht mehr pro oder contra Kirchen, Religionsgemeinschaften, Humanismus u. a., sondern die Auseinandersetzungen gehen quer durch die einzelnen Religionen oder Weltanschauungen.“ (Helge Meves, Referent für Religionsfragen beim Bundesvorstand und der Bundestagsfraktion der LINKEN)


FSK:

Die Feindseligkeit gegen den Laizismus äußert sich im FSK immer wieder in Beiträgen und Sendungen, die den „Aufstand“ in den Banlieues im Jahr 2005  feiern. Auch die judenfeindliche Bewegung Nuit debout findet großen Anklang,  während es keinen einzigen Text zu den dschihadistischen Massakern in Paris und im übrigen Frankreich gibt.

[(Text nicht gezeichnet.Überschrift mit fehlendem e von Werner Pomrehn)

Die Ethno-Antirassisten im FSK stellen die „Riots“ von 2005 als sozialen und antirassistischen Aufstand dar. Als „Auslöser“ sehen sie Arbeitslosigkeit und „Islamophobie“, womit sie den Laizismus meinen. Sie verschweigen absichtlich, dass die dreiwöchigen Brände im Herbst 2005  eine radikalislamische und antisemitische  Dimension hatten. Nach dem Unfalltod von zwei jungen Einbrechern in Clichy-sous-Bois, die sich vor der Polizei in einer Trafostation versteckt hatten,  war die Zahl der  Brandstiftungen bereits wieder rückgängig, als 3 Tage später bei einem Polizeieinsatz  versehentlich eine Tränengashülse im Eingang der Moschee Bilal landete. Erst daraufhin griffen die Brandstiftungen und Zerstörungen auf fast alle Vorstädte über, denn der Zwischenfall vor der Moschee wurde von radikalislamischen Agitatoren zu der Behauptung dramatisiert, die französische Polizei greife jetzt „die Muslime“ an.

Damals wurden u.a. die Synagogen in Pierrefitte-sur-Seine und Garges les Genesse angegriffen (letztere erneut im September 2017). Die Polizei warnte die  jüdische Gemeinschaft, sie sei nicht mehr in der Lage, sie zu schützen, konnte aber weitere Angriffe vorerst verhindern.  Seit 2005 werden die immer häufigeren Anschläge gegen jüdische Einrichtungen hauptsächlich von radikalislamischen Jugendlichen begangen. Die Jüngeren in den Banlieues sind oft fanatisch auf Gaza und die Palästinenser fixiert. Judenhass und Hamas-Verehrung verstärken sich gegenseitig. Die französischen Juden sind ihnen zum Objekt von Wahnvorstellungen geworden. Man jubelte, als die Redaktion von Charlie Hebdo und die Kunden des Hyper Cacher an der Porte de Vincennes ermordet wurde. Es gibt zahlreiche Videofilme dazu.  Seit 2005 sind in Frankreich 14 Juden als Juden getötet worden – von radikalislamischen Antisemiten aus französischen und belgischen Banlieues, die man im „Freien Sender Kombinat“ zum Zentrum des gegenwärtigen und „kommenden Aufstandes“ gegen dunkle Mächte erklärt.

 

 

Günther Jacob, Rosa Fava, Bundesverband Freier Radios, Werner Pomrehn, haymatlos, Freies Sender Kombinat, Transmitter, Jüdisches Museum Berlin, Auschwitz

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