„Community Radio“ und „Migrantenselbstorganisation“

(The new Face of Anti-Racism. Die FSK-Sendung ANILAR FM, Nachtrag)

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(10.1.)

Das Interesse der staatlichen Migrationsverwaltung 
an einer islamisierten „türkischen Community“

Die rechte Sendung ANILAR FM firmiert beim Freien Sender Kombinat unter der Rubrik „Community Radio“. Man dachte dabei an eine nichtantagonistische Gemeinschaft der ANDEREN. Das entspricht nicht nur der eigenen ethnopluralistischen Weltsicht, sondern passt auch zu den aktuellen Methoden der staatlichen Verwaltung.

Doch spätestens seit Erdogans „Gegenputsch“ Mitte 2016 ist es mit dem Glauben an die Existenz einer „türkischen Community“ in der BRD nicht mehr weit her. Zu offensichtlich befinden sich diejenigen, die diese Community angeblich gemeinsam bilden, in verfeindeten politischen Lagern. Von der Idee einer gemeinsamen Interessenvertretung gegenüber der deutschen Mehrheitsgesellschaft (wie sie bisher von der „Türkischen Gemeinde Deutschlands“ repräsentiert wurde, die schon mit diesem Namen viele Türkeistämmige ausgrenzt) hinsichtlich Rassismusabwehr, Arbeitnehmerrechten,  Bildungsmöglichkeiten, Wahlrecht und anderen Fragen der Partizipation,  scheint kaum noch etwas übrig zu sein. Viele Landesgruppen der „Türkischen Gemeinde in Deutschland“ (TGD) sind inzwischen inaktiv. Zum Beispiel ist die öffentliche Arbeit der TGNRW, des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen der TGD,  nach internen Spaltungen faktisch ganz zum erliegen gekommen.

Besonders seit die AKP das Auslandswahlrecht eingeführt hat, interessieren sich viele mehr für die Politik in der Türkei als für ihre Lage in der BRD. Ironischerweise entspricht das dem Bild, das sich die Deutschen immer schon machten: Menschen mit irgendwie „türkischem Migrationshintergrund“ erscheinen ihnen mehr denn je als Verkörperungen oder Repräsentanten einer als organisch vorgestellten anderen Kultur, hinter der in diesem Fall zudem ein fremder Staat steht.  Dieser Staat greift in der Tat mit aggressiven Methoden und unter Verweis auf halluzinierte Blutsbande nach den Enkeln und Enkelkindern der „türkischen Diaspora“.

Islamische und andere rechte Gruppierungen arbeiten mit Drohungen und Denunziationen an der Formierung der „Community“ zu einem selbstethnisierten erpresserischen Zwangskollektiv, das darauf achtet, dass keiner sich absondere. Statt staatsbürgerlichen Individualrechten werden noch mehr Kollektivrechte für ein zunehmend „pantürkisches“ und islamisiertes Milieu  und dessen Organisationen verlangt.

Von Seiten des deutschen Staates wird diese Entwicklung unterstützt: „Community“ ist  heute geradezu ein Modewort der deutschen Verwaltung.

Eine Mode, hinter der ein zugleich neo-liberales und kulturessenzialistisches Konzept der  Territorialisierung des Regierens unter dem Titel „Empowerment des Lokalen“ steckt. Ganz bewusst betreibt man „von oben“ die Fragmentierung des nationalen Raumes durch Vervielfachung der Schnittstellen, an denen Regierungshandeln ansetzt.

Dieses identitätspolitische Konzept des „Regierens über soziale Nahräume“ wurde aus England importiert, wo es in den 1980er Jahren von New Labour unter Slogans wie Remaking Community“ und „New Deal for Communities” entwickelt wurde. Damals wurde die Mobilisierung lokaler Gemeinschaften in den Mittelpunkt sozialpolitischer Konzepte gerückt. Anhand ethno-religiöser Klassifizierungen definierte die Verwaltung neue Gruppen: Muslime aus Bangladesh, Muslime aus Pakistan, Sikhs, afrokaribische Kirchen. Religiöse Wortführer wurden zu Ansprechpartnern der Politik ernannt. Der Blick auf Migranten und die Basis, auf der nun über Differenzen gesprochen wurde, hat sich in England durch diese Identitätspolitik vollständig verändert. Ebenso das Selbstverständnis der Migranten: Forderte man in den 1970er Jahren noch das Recht, trotz aller Unterschiede auf die gleiche Weise behandelt zu werden, so fordert man heute eben wegen dieser Unterschiede unterschiedlich behandelt zu werden.

Die Förderung der Bildung von „ethnischen“ Communities ist eine identitätsbasierende staatliche Politik, die neue Partner der Verwaltung und der sozialen Dienste hervorbringen soll.

Durch die Segmentierung des Verwaltungshandelns sollen in migrantischen Milieus Ressourcen „aktiviert“ werden, die sich am Ende in Kostensenkungen niederschlagen. Es geht darum, dass sich die Überflüssigen, Randständigen und Ausgegrenzten kostengünstig selbst kontrollieren – auch gerne nach eigenen  „kulturellen Werten“.

Unter dem Titel der „Migrantenselbstverwaltung“ werden deshalb Repräsentanten „kultureller“ Communities förmlich zu einem Co-Governing eingeladen. Sie sollen zu „Partnern“ der lokalen Verwaltung aufgewertet und auf diese Weise Bestandteil des Regierungshandelns werden. Nie zuvor erhielten daher „Minderheitenvertreter“ so viel Aufmerksamkeit von Seiten der  Regierungsapparate.

 

Die staatliche und halbstaatliche Migrationsverwaltung (vor allem: BMI, BAMF, Jobcenter, Migrationsbehörden auf Landes- und Kommune-Ebene und die Migrationsabteilungen der klerikalen und nichtklerikalen Wohlfahrtsverbände, die auch die „Ehrenamtlichen“ bis runter zu FSK-Aktiven an den Verwaltungsapparat binden) subsummiert also bestimmte Gruppen von eingewanderten Menschen (und deren Nachkommen) unter eine ethnische und mono-kulturelle Form und spricht sie als Teil eines Kollektivs an, das einer speziellen Lebensform anhängt, die man freundlich-distanzierend unter der Rubrik „Vielfalt“  zusammenfasst.

Damit ist ihr Ort bereits festgelegt: Sie gelten als traditionell statt universalistisch und eher an Clans orientiert als an einem Staatsbürger-Status. Weil der Staat daran überhaupt nichts ändern will, sind sie zugleich definiert als Nutznießer deutscher Toleranz, woraus sich auch einige Pflichten ergeben, vor allem die Pflicht zur  rechtstreuen Integration, die jedoch zuerst eine Integration in die separate Community sein soll.

Die staatliche Entscheidung für ein neoliberales Ethno-Governing führt zunächst zur Suche nach brauchbaren Repräsentanten. Wer gehört zur Community? Das hängt nun davon ab, wer von der deutschen Migrationsverwaltung als „Partner“  anerkannt wird. In der Konkurrenz um den fördergeldwürdigen Zuschlag bilden sich wie von selbst die passenden „Sprecher der Community“ heraus, die dann wiederum  viel Wertschätzung erfahren: Händeschütteln mit dem Bürgermeister, Interview im Hamburger Abendblatt, Einladung zu Podiumsdiskussionen und zu Workshops der Nordkirche, sichere Listenplätze bei den staatstragenden Parteien. Diese kommunitaristische Einhegungsstrategie will von internen Differenzierungen in diesen Communities nichts wissen. Im Gegenteil: die deutsche Migrationsverwaltung fördert aktiv die Tribalisierung und zwangsstabilisiert durch IHRE Anerkennungskriterien die in Wirklichkeit fragilen „Gemeinschaften“.

Als besonders zuverlässige Community- Repräsentanten galten zunächst vor allem Geschäftsleute mit „Migrationshintergrund“  und Funktionäre von Migrantenverbänden.  Inzwischen setzt die deutsche Migrationsverwaltung verstärkt auf die disziplinierende Funktion der Religion, von der man sich erhofft, dass sie die das Community-Konzept sprengenden politischen Gegensätze überbrücken und verdecken kann. Als „Stimme der Community“ gelten nun vor allem Moscheevereine, die mit viel Geld und Staatsverträgen zu Partnern der Verwaltung (und zu Partner der von der Verwaltung beauftragten Wohlfahrtskonzerne)  aufgewertet werden.

Eine Folge ist eine extreme Abwertung aller säkularen politischen Kräfte.

Wie die Praxis des FSK zeigt, wirken kulturessenzialistische Identitäts-Antirassisten an dieser Abwertung kräftig mit,  indem sie die progressiven und säkularen  Kräfte unter den Migranten nicht nur im Stich lassen, sondern diese sogar aktiv bekämpfen – durch Unterstützung des staatlichen Community-Konzepts, durch Privilegierung der neoosmanischen Politik des „Türkentums“ und durch die Denunziation linker Kritik an der Re-Islamisierung als Islamophobie.

(Text wird fortgesetzt)

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(10.2.)

„Ethnische Medien“ – „Interkulturelle Medien“ – „Community Radio“:
Die Verdoppelung des Rassismus im Antirassismus
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VARIANTEN DES COMMUNITY-RADIOS:
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(10.2.1.)

→ Alternative Wellen für Portugiesen, Schwule und Geflüchtete.
Wie der „Bundesverband Freier Radios“ ein
rechtes „türkisches Community Radio“ ideologisch legitimiert

Ethno-identitäre Öffnung  des neuen deutschen Antirassismus. Die „Zukunftswerkstatt Community Media“ des Bundesverbandes Freie Radios will dabei sein.
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Der Bundesverband Freier Radios ist die Dachorganisation der Alternativsender der Berliner Republik. Die Vorstellung davon, was „alternativ“ ist an den mit staatlicher Fürsorge (Landesmedienanstalten, Bundeskulturstiftung etc.) sendenden „Freien“ Radios, die als  Abfallprodukt der Teilprivatisierung des Staatsfunks (1983) entstanden,  hat sich dem Lauf der Zeit angepasst. Heute ist dieser Verband jedenfalls komplett auf die staatlichen Vorgaben von „Intersektionalität“, „kultureller Diversität“ und „interkultureller Kompetenz“ eingeschwenkt. Man hält sich sogar zugute, in dieser Hinsicht zur identitären Avantgarde zu zählen.

Vom 23. bis 26. November  2017 lädt der Verband unter dem Motto „Zukunftswerkstatt Community Media“ zu einem Kongress nach Hamburg, wo ausgerechnet das für sein rechtes „türkisches Community Radio Anilar FM“ bekannte Freie Sender Kombinat (FSK) als Gastgeber auftritt. Wie bewusst man dabei die zehnjährige Geschichte dieses rechten Formates  verteidigt, zeigen einige der angekündigten Veranstaltungen, die sich absichtlich nur indirekt auf Anilar beziehen:

Eine heißt: „Abbau der Zugangshürden für Geflüchtete“. Hier soll erörtert werden, wie mehr Angehörige einer konstruierten „Geflüchteten-Community“ (!) ihre „Perspektiven ALS Geflüchtete zum Ausdruck bringen“ können.  Offenbar glaubt man, dass „Geflüchtete“ keine Parteien, Milizen, herkunftslandorientierten Verbindungen und ethnisierte Netzwerkstrukturen mit spezifischem Sozialkapital kennen, sondern eine Art natürliche Einheitspartei bilden. Und dass die Handvoll Personen, die – durch welchen Zufall auch immer – ausgerechnet im Alternativradio-Milieu gelandet sind, die Ten Top Qualities of Great Community Leaders erfüllen und damit das (ihnen vom Freien Radio verliehene) Recht haben, alle anderen zu repräsentieren.

Eine andere Veranstaltung heißt: „Papst oder Revolution? – Diversität und links-emanzipatorische Ansprüche im Widerstreit“ . Sie wird so vorgestellt:

„Wenn die portugiesische Sendung den Papst abfeiert oder die Schwule Welle mit Mainstream-Schlagern der übelsten Sorte das Studio belagert, entsteht in einem Radio, das sich mal der Gegenöffentlichkeit verschrieben hatte, bei manchen gewisses Unbehagen. Gäbe es wiederum keine portugiesische und Schwule Sendung , hätte das Freie Radio seinen eigenen Anspruch verpasst.“

Natürlich würden diese Sätze so nicht dort stehen, wenn das Gesagte völlig selbstverständlich wäre. Gleichwohl werden die Einwände, gegen die sie sich richten, nicht näher benannt. Man weiß aber auch in Freiburg, wo die Autoren Anna Trautwein & Niels Wätzel bei Radio Dreyeckland mit Unterstützung  der Sparkasse Freiburg, der Jugendstiftung Baden-Württemberg, der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der „Aktion Mensch“ über solche Dinge nachdenken, dass es rechtsradikale, radikalislamische, linksradikale, laizistische und normalbürgerliche Portugiesen, Schwule und Migranten gibt, weshalb es eben reaktionär ist, irgendwelchen Portugiesen, Schwulen oder Migranten, die in der Öko-Hauptstadt in ein Mikro sprechen, zu unterstellen, sie würden im Sinn von „Our Voice“ (das Konzept verfolgte schon Herbert Röttgens Trikont-Verlagidentitär Portugiesen, Schwule oder „die Flüchtlinge“ repräsentieren und aus ihnen würde daher „das Portugiesische“, „das Schwul-Sein“ oder das „Flüchtling-Sein“ nur so heraussprudeln.

Weil man das vor sehr langer Zeit auch in Freiburg noch wusste, musste also ein „gewisses Unbehagen“ überwunden werden.  In grauer Vorzeit bestand der „eigne Anspruch“ darin, kein rechtes Zeug zu senden. Heute gilt die Begeisterung eines Portugiesen für den Papst als Ausdruck von dessen authentischer Kultur. Ob diesem Portugiesen, der vielleicht in Wirklichkeit ein Freiburger mit „Einwanderungsgeschichte“ ist, überhaupt jemand bei dem Mist zuhört, interessiert nicht weiter, weil  Anna Trautwein & Niels Wätzel ja nur IHRE „kulturelle Kompetenz“ zu Protokoll geben wollen.

Der ganze Text ist eben auch ein Bewerbungsschreiben. In diesem Sinn geht er weiter:

„Inwiefern haben die politischen Kategorien, mit denen wir in den Radios hantieren, in anderen Teilen der Welt überhaupt Gültigkeit? Welche inhaltlichen Potentiale gehen verloren und wer wird ausgeschlossen, wenn althergebrachte polit-kulturelle Codes das redaktionelle Geschehen bestimmen?“

Wer so kulturrelativistisch fragt, würde jederzeit auch bei ARTE „umstrittene“ Filme über  Antisemitismus im Nahen Osten aus dem Programm nehmen, da deren Kategorien offensichtlich in einigen anderen Teilen der Welt keine Gültigkeit haben. Denn wenn wir die  lokalen Besonderheiten  wegen unserer bekannten eurozentristischen,  orientalistischen  und postkolonialen polit-kulturellen Codes einfach ignorieren, würden wir authentische ethnisch-kulturelle O-Töne einfach wegzensieren.

Selbstverständlich haben die Verfasser absichtlich relativ harmlose Beispiele ausgesucht, um ihre identitäre Ideologie zu illustrieren. Statt eines portugiesischen Fátima-Pilgers (der immerhin antirepublikanische Politiker unterstützt, die den Papst trotz der laizistischen Proteste eingeladen hatten), hätten die Freiburger zum Beispiel einen muslimischen Geflüchteten erfinden können, der via Radio Dreyeckland den Nachweis bringt, dass der  Prophet Muhammed das Auftauchen von ISIS bereits vor 1400 Jahren vorhergesagt hat: „Aus dem Osten wird eine Gruppe erscheinen, mit etwas kleineren schwarzen Flaggen. Steht so in der Hadith-Sammlung fürs Freitagsgebet: Gaybet-i Numani, sf. 22″.

Das wäre wenigstens eine Herausforderung für die kulturelle Kompetenz, die man für die Papst-Geschichte nun wirklich nicht braucht. Würde hier nicht ein in der orientalischen Kultur angelegtes wertvolles konspiratives Wissen verloren gehen, wenn wir solche Erzählungen einfach mit unseren viel zu rationalen polit-kulturellen Codes abwürgen würden?

Die Entwicklung zur Moderne wäre nicht möglich ohne die Emanzipation des einzelnen von „Kultur“ und „Identität“. Es ist ja gerade die damit verbundene Selbstreflexion, die erst einen unvoreingenommenen Blick auf andere ermöglicht. Besonders übel an der zivilisationsfeindlichen Community-Radio-Ideologie ist deshalb der Versuch, Menschen die Freiheit der Entscheidung abzusprechen, sie auf eine einzige „naturgegebene“ Identität festzulegen und sie dann darüber für die eigenen Zwecke zu instrumentalisieren.

Der Portugiese ist vielleicht Anhänger der rechten Partido Nacional Renovador und als Papst-Fan auch noch ein fanatischer Gegner der „Homo-Ehe“.  Der Schwule ist vielleicht Aktivist der antizionistischen BDS-Gruppe „Freiburg  Against Pinkwashing„. Und auch der „Geflüchtete“, der vielleicht vorher Al-Nusra-Kämpfer war, hat wahrscheinlich wenig übrig für LSBTI-Szenen.

Was geschieht also, wenn in der Freiburger „Our Voice“Geflüchteten-Redaktion solche Leute senden und dann der Schwule auftaucht (der wahrscheinlich einen besseren Musikgeschmack hat als Trautwein & Wätzel, denen vom Linkssein nur die Abneigung gegen Mainstream-Schlager geblieben ist) um in seiner Sendung über die Aktion „AnarchoQueers gegen Pinkwashing“ zu berichten?

Wie auch immer:  Dem Bundesverband Freier Radios geht es mit  seinen konstruierten Beispielen vor allem darum, dem FSK den Rücken zu stärken und so das kulturalistische Community Radio/Our Voice-Konzept zu verteidigen, das in Hamburg den ideologische Rahmen für die Komplizenschaft mit islamisierten Faschisten von AKP & MHP bildete.

Passend zum Kongress-Thema wird dann auch in der letzten FSK-Programmzeitschrift „Transmittererneut die Präsenz von islam-faschistischen Grauen Wölfen im Alternativradio kulturrelativistisch und geschichtsrevisionistisch mit Identitätspolitik und Privilegientheorie (Critical Whiteness) verteidigt:

„Da wir viele Sprachen nicht verstanden, konnten wir nicht wissen, ob nicht gerade ein Gewinnspiel stattfindet oder die Grauen Wölfe mitsenden. (…) Dennoch ist das Gespräch das wichtigste Mittel – unter Beachtung der Machtverhältnisse und unserer unterschiedlichen Ausgangspositionen“.

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(10.2.2.)

→ Refugee Radio Network
Erfindung einer „Geflüchteten-Community“ für den deutschen Kulturbetrieb

Parallel zu der „Zukunftswerkstatt Community Media“ findet in der Hamburger „Kulturfabrik“ Kampnagel eine von den im Diversity-Business tätigen Mäzenen (Bosch-,  Zeit- und Schöpflin-„Stiftung„) finanzierte „Conference on Migration and Media Awareness“ mit vielen dubiosen Identitäts-Darstellern (z.B. hier und hier und hier) statt. Die „Freien Radios“ sind mit ihrem in Brüssel registrierten Lobby-Verein für „nichtkommerzielle Bürger- und Alternativmedien“ unter dem Namen „Community Media Forum Europe“ vertreten. Als Veranstalter tritt „Refugee Radio Network“ auf.

The Voice of Migrants? Refugee  Radio Network wird nicht für Flüchtlinge gemacht, sondern von „idealen Geflüchtetenfür eine ethno- antirassistische aktivistische Kulturszene.  Der Anspruch „Flüchtlingen Raum geben“ ist schon wegen der knappen Sendezeit (2 Stunden in der Woche) und der geringen Reichweite von Alternativradios in in Hamburg und Berlin (dort als „Berlin Community Radio“) unrealistisch. Kein Migrant hört das, kennt das, interessiert das. Die Leute sind bei YouTube unterwegs und über Facebook vernetzt.

Die „Giving Refugees a Voice“-Statements von Refugee Radio Network klingen, als seien sie von einer Medienagentur ersonnen worden. Refugee Radio Network ist „eine starke Stimme für Flüchtlinge weltweit“!  Das „Community-Media- Projekt“ „verbindet Kulturen und schlägt „Brücken zwischen Flüchtlingen und der Aufnahmegesellschaft“. (Die Brücken-Metapher gehört zum Kernbestand des liberalen Ethnopluralismus). Refugee Radio Network ist ein „Ermöglicher des freiheitlichen Ausdrucks„. Refugee Radio Network „produziert Alternativnarrative„. Refugee Radio Network „befördert Medienpluralismus und Diversität und ist „den Menschenrechten und der Entwicklung verpflichtet„.

Tatsächlich befördert der antirassistische Hype um Refugee Radio Network vor allem die kulturalistische Vorstellung, dass einer einheitliche deutschen Mehrheitsgesellschaft eine nicht minder einheitliche „Flüchtlings-Ethnie“  gegenübersteht.

Verantwortlich dafür ist vor allem das  ethno-antirassistische Bedürfnis nach einem Format wie Refugee Radio Network. Die Macher dieses Formats bedienen dieses Bedürfnis, weil das für sie eine Chance ist. Denn sie werden nur unterstützt, wenn sie die Erwartung erfüllen, sich als Stimme einer fiktiven Flüchtlings-Community zu inszenieren. Sie bekommen nur Fördermittel, wenn sie den Vorstellungen gerecht werden, die kultivierte Menschen mit hohem Anspruch an Humanität und Toleranz , die sich dafür gerne selbst feiern, von guten Flüchtlingen haben.

Während  Refugee Radio Network für Refugees überhaupt nicht relevant ist, zeigt sich die wahre Zielgruppe begeistert: Deutschlandfunk, Junge Welt, Ver.di-Zeitung und evangelisch.de schreiben überschwängliche Berichte. In museumspädagogischen Büchern überGeflüchtete und kulturelle Bildung“, die den Holocaust durchweg verschweigen,  wird daraus aus der „postkolonialen Critical Whiteness-Perspektive“ zitiert. Es gibt eine Präsentation beim grünen Taz-Salon und am Ende den „alternativen Medienpreis“.

Die wichtigste materielle Basis aber sind die Theater und Kulturfabriken, denn die besorgen die Fördermittel der großen staatspolitischen Stiftungen, auch die der Hamburger Bürgerstiftung und der Nordkirche.

Wenn bei den Münchner Kammerspielen Künstler_innen, Wissenschaftler_innen und Aktivist_innen über die Zukunft der europäischen Einwanderungsgesellschaft nachdenken, darf Refugee Radio Network sich dort „vernetzen“. Nicht Migranten bilden die Homebase von Refugee Radio Network, sondern diverse Theater und die Hamburger „Kulturfabrik“ Kampnagel, wo Tanz, Theater und postkolonialer Diskurs eine Heimat haben.

Tatsächlich ist das Format Radio inzwischen in den Hintergrund getreten. Die wenigen Auftritte beim Hamburger Freien Sender Kombinat und dem Hamburger Bürgerkanal Tide und auch ein kurzes Gastspiel beim Bayerischen Rundfunk und beim  antisemitischen Sender Al Jazeera (!) erinnern nur noch an den  Anfänge dieser Inszenierung.

Refugee Radio Network erobert jetzt „weitere Medien“- mit einer von Kampnagel finanzierten „Live-Show fürs Web-TV“, die Refugee Voices Show heißt und wirklich sehenswert ist: Larry Macaulay, der smarte Erfinder von Refugee Radio, bedient in seiner Rolle als post-moderne immigrant gekonnt die Erwartungen seines postkolonial gestimmten Critical Whiteness-Publikums und kombiniert das mit einer grandiosen Entertainer-Geste, die diese so ängstlich um political correctness bemühten Teilnehm* keinem anderen verzeihen würden. Selbst eine Kochshow unter dem Motto „Kochen bringt Flüchtlinge und die Bevölkerung zusammen“ (eine Idee der Hertie-Stiftung) und angekündigt als „Lyrikabende mit Theater und gemeinsamem Kochen mit Larry“ wird inzwischen angeboten.

So unterhaltsam das auch ist,  so ernst ist der Hintergrund. Der gelehrige Vorzeige-Flüchtling ist das Produkt einer paternalistischen, deutschpatriotischen und neo-kolonialistischen  Willkommenskultur, die Individuen „ethnischen Kulturen“ zuordnet. Man muss sich das vorstellen wie Nicolas Stemanns Inszenierung von Jelineks „Die Schutzbefohlenen„: Die als Einheitspartei imaginierten und auf ihre „Fluchtgeschichte“ reduzierten Migranten dürfen auf der Bühne (Gruppen-) „Sichtbarkeit“ spielen und so die exklusive deutsche Identität der mit Definitionsmacht ausgestatteten Betrachter bestätigten.

Man will aber nicht nur die Leidensgeschichten der Flüchtlinge ausbeuten, sondern auch ihre Gelehrigkeit begutachten. Die Medien sind nicht erst seit 2015 voll mit Berichten über Vorzeige-Flüchtlinge. Dabei ist immer klar, wer die Maßstäbe setzt: Ian Karan hat den langen Weg vom armen Einwanderer zum reichen Bürger geschafft. Ozan Iyibas wurde Vorsitzender des CSU-Arbeitskreises Migration und Integration. Leslie Mandoki hat einen deutschen Bekannten und ist deshalb perfekt integriert. Nassir Boubaous hat sein Abi mit einer Traumnote gemacht.

Leider gibt es auch einige Enttäuschungen: Der Ex-SPD-Sprecher Bülent Ciftlik wurde zu zweieinhalb Jahren verurteilt. Der Vorzeige-Migrant Bushido verprügelte seine Frau. Einigen Vorzeige-Migranten wurde dieser Titel aberkannt, als sie zur AfD gingen. Der Iraker Al-T. schrieb das Theaterstück „Ausgangssperre“, wurde aber von einem Syrer erstochen. Als besonders nette Vorzeige-Flüchtlinge galten drei Syrer, bevor sie als IS-Anhänger verhaftet wurden. Und der perfekte Vorzeige-Flüchtling Ahmad Shakib Pouya, der Deutsch lernte, sich ehrenamtlich engagierte und deshalb vom Bundespräsident empfangen wurde, wurde  trotzdem abgeschoben.

Die Deutschen hatten immer schon  eine präzise Vorstellung davon, was ein „guter Ausländer“ ist, und sie haben seit Beginn der „Willkommenskultur“ auch eine Vorstellung davon, was ein „guter Flüchtling“ bieten sollte: Er sollte möglichst eine Fachkraft sein, zum Beispiel ein Herzspezialist aus einer Klinik im irakischen Mossul. Möglicherweise ist er auch ein  geborener „Gründer“, verkörpert also das soziale Ideal des aktiven, unternehmerischen Subjekts. Außerdem spricht er perfekt Englisch und lernt die deutsche Sprache in kurzer Zeit. Überdies ist er kulturbeflissen und schwört auf das deutsche Grundgesetz. Eigentlich ist er mehr ein Expat als ein Flüchtling, also Träger einer neuen, globalen Kultur, der sich überall zu Hause fühlen kann.

Nicht viel anders sieht der ideale „Geflüchtete“ der Ethno-Antirassisten aus: Er hat zwischen Assads Fassbomben und Angriffen der Terrormiliz IS jede Minute genutzt, um sich mit der linksdeutschen Alternativkultur vertraut zu machen. Schon auf der Balkan-Route hat er auf dem Smartphone nachgeschaut, wie man zur „Kulturfabrik“ Kampnagel, zur ZEIT-Stiftung und zum Alternativradio kommt.

Kaum im reichen Deutschland angekommen, bewegt er sich souverän auf dem subkulturellen Parkett, in den Milieus der international flexiblen, gut ausgebildeten akademischen Linken, der alternativen Kulturschaffenden, den Kreativen, der Aktivist*innen, Erzieher*innen und Sozialarbeiter*innen, all derjenigen also, die einige Semester im Ausland studierten, ein Praktikum bei einer  internationalen NGO absolvierten, ein Netflix-Abo haben und bei Airbnb buchen, wenn sie nach Berlin zu einer antirassistischen Wochenend-Konferenz fahren. Er mag strenggläubig sein, aber er respektiert die Rechte von Homosexuellen, Frauen LGBTIQQA* und Atheisten. Er respektiert den linksgrünen Öko-Lebensstil und die dazu gehörigen progressiven Werte von Vielfalt und Interkultur in den sozialen Netzwerken der Gleichgesinnten.

Keine anderen Kulturinstitutionen engagieren sich in dieser Hinsicht momentan so intensiv wie die Museen und die Theater. Die Museumspädagogik sieht sich neuerdings als „Schnittstelle des transkulturellen Dialogs“ und ernennt den Kunstraum (mit Blick auf die Fördergelder) zum „Raum für Geflüchtete“. Flucht & Migrationshintergrund haben zugleich Konjunktur auf den Spielplänen. Es gibt viele neue  Theaterproduktionen mit Migranten („Geflüchteten“), die als „echte  Bereicherung“ gefeiert werden. Und es gibt zahlreiche Buchtitel und Aufsätze über „Interkulturelle Museumspädagogik“ und „Theater und Migration“ . Das Theater gilt als DIE  „Bühne kultureller Identitäten“.

Dass Museums- und Theaterprojekte jetzt „interkulturell“ sind, hat nicht zuletzt mit den Geldflüssen zu tun: Nur wer  Ziele wie Integrationsförderung und kulturelle Vielfalt verfolgt, bekommt zusätzliche finanzielle Förderung. Entsprechend werden „Geflüchtete“ instrumenatilsiert, was der Begeisterung des an mehr „kulturellem Reichtum“ interessierten  antirassistischen Publikums keinen Abbruch tut.

Was von diesem ethno-kulturalistischen Publikum zu erwarten ist, zeigt nicht nur die Israel-Hetze im Berliner Theater Ballhaus Naunynstraße, das als  Avantgarde der „post-migrantischen Kulturproduktionen“ gilt:

Die identitätspolitische Wende des Schauspiels ist zugleich eine Abwendung von der Aufklärung. Führende Theater haben, seit sie die „kulturelle Vielfalt“ und die „ethno-kulturellen Communities“ entdeckten, den neuen Judenhass, den Hass auf Israel als jüdischer Staat, toleriert oder sogar aktiv unterstützt. Auch viele der Museen, die sich jetzt angeblich so selbstlos um „Geflüchtete“ bemühen, haben bis heute NS-Raubgut an ihren Wänden hängen. Die Erben der jüdischen Opfer müssen seit Jahrzehnten um eine Rückgabe der Bilder streiten, die den Ermordeten einst gehörten.

Das Hamburger Thalia Theater (das 1998 das „Schwarzbuch des Kommunismus“ feierte) verlegte eine Veranstaltung mit dem Paulskirchen-Vorbeter Navid Kermani in die Centrum-Moschee, obwohl Milli Görüs dort zuvor antisemitische Bücher verkauft hat.  Andere Bühnen wie das Grips-Theater, das Maxim Gorki Theater, die Schaubühne und das Deutsche Theater beteiligten sich 2016 zusammen mit den Israel-Hassern vom BDS und der Gruppe „For Palestine“ an dem Bündnis „My Right is your Right„.  Xenia Sircar, die selbst „postkolonial“ agierende Pressesprecherin des Gorki Theaters, musste zur Distanzierung gedrängt werden. Ihr Haus gehört zu den Theatern, die sich ihr „Engagement für Geflüchtete“ unter dem widerlichen Label „Kunst der Flucht“ (Flucht als Metapher für bürgerliche Sinnkrisen) besonders häufig von der Bundeskulturstiftung und vielen anderen Drittmittelgebern versilbern lassen.

Erstmals 2015 trat im Gorki das „Flüchtlings-TheaterRefugee Club Impulse (RCI) auf. Die Truppe vermittle, so hieß es damals, „einen kämpferischen und sinnlichen Existenzbeweis der Fliehenden“. Sie habe einen „guten Ruf als Kunstkollektiv, in dem sich Flüchtlinge und Deutsche auf Augenhöhe begegnen“. Durch viele Gastspiele bei etablierten (meint: deutschen) Theaterfestivals habe der Refugee Club zur „Repräsentation von Flüchtlingen in der Theaterszene beigetragen“.  So formen die antirassistischen Deutschen andere zur „Flüchtlings-Ethnie“, legen sie auf diese Rolle fest und halten sie dadurch auf Distanz.

Ein Jahr später flog das „Flüchtlings-Theaterprojekt“ dank einer Intervention des American Jewish Committee auf – wenige Tage bevor der Berliner Senat (über den „Freien Träger“ AWO) weitere 100.000 Euro auszahlen wollte. Alle wussten, dass Ahmed Shah, Theaterpädagoge und Leiter des „Flüchtlings-Theaters“,  seine Theaterarbeit nach eigener Aussage als kulturelle Intifada versteht.

In seinem Flüchtlings-Stück „Intifada im Klassenzimmer“, beworben von der Böll-Stiftung und aufgeführt in diversen „Kulturfabriken“, wurde die Situation „der Muslime“ zugleich mit der Shoa und der Lage der Palästinenser unter der „zionistischen Diktatur“ verglichen und wurden Selbstmordattentate als Widerstand gerechtfertigt. Dafür erhielt Ahmed Shah den Preis „Goldener Alex“ und mehr Geld vom Senat. Die Deutschen verstecken den eigenen Antisemitismus gerne hinter dem „migrantischen Antisemitismus“, von dem sie sich dann bei Bedarf distanzieren können: Nicht nur im Gorki wusste man immer schon, dass die beiden RCI-Leiterinnen Nadia und Maryam Somaya Grassmann mit ihrem Vater den antizionistischen „Al-Quds-Tag“-Aufmarsch in Berlin organisieren.

Die Weigerung einiger französischer Theater, die Bearbeitung des „Briefs an die Heuchler“ von Charb aufzuführen – aus der BRD gab es keine einzige Anfrage – , zeigt wohin der „interkulturelle“ Theaterzug fährt. Charb war beim Anschlag auf „Charlie Hebdoermordet worden, seinen „Lettre aux escrocs de l’islamophobie“ schrieb er in den Wochen zuvor: „Beeilt euch, Freunde der Blasphemie, wenn ihr noch ein wenig lachen wollt!“

Mit der Abkehr vom aufklärerischen „eingreifenden Denken“ und der Hinwendung zum völkischen Antirassismus, werden auch die bissige Satire und andere utopische Projekte der Moderne aus dem Theater verbannt – zugunsten einer rührseligen ethno-pluralistischen Comédie larmoyante, in der aus Citoyens „Minderheiten-Vertreter“ werden und aus Charakteren Repräsentanten. Als „interkultureller Begegnungsraum“ wird das „Theater der kulturellen Vielfalt“, dem es um ein „die Differenz wertschätzendes“, also getrenntes „Miteinanderumgehen mit der eigenen und den fremden Kulturen“ geht, ein Ort sein, an dem es zugeht wie auf dem berüchtigten Kölner Antira-No-Border-Camp.

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(10.2.3.)

→ Der türkischsprachige Berliner Sender Metropol FM:
 “Community-Radio“ als kommerzielles Unternehmen

Logo des Berliner Radios Metropol FM. Rechts: Radio Ramadahn (Glasgow) und das türkischsprachige „London Turkish Radio„.
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Seit 1999 gibt es den türkischsprachigen Berliner Sender “Metropol FM”. Das Unternehmen mit 25 türkeistämmgen Mitarbeitern und einem deutschen Chef ist eine 100-prozentige Tochter der Deutschen Medien-Union. Das Radio finanziert sich über Werbung von Lidl und lokalen türkischen Geschäften.

Staat, Politik, die diversen halbstaatlichen Stiftungen, der Deutschlandfunk, der Kultursender 3Sat und viele identitäre Antirassisten sind begeistert von diesem „interkulturellen Medium(ein anderes Wort für „Community Radio„), das  – nach seiner Ausdehnung auf  Ludwigshafen, Stuttgart, Mainz und Koblenz – nach eigenen Angaben in Berlin bei 90 Prozent „der Türken“ bekannt ist und von ingesamt 450.000 “Deutschtürken“ gehört wird.

So ethnopluralistisch wie „Metropol FM“ stellen sich Staat & Zivilgesellschaft die „interkulturelle Zukunft“ vor. „Die Türken“ sollen wieder türkischer – oder noch besser: islamischer – werden und den inzwischen interkulturell geschulten Deutschen als ethno-religiöse Gruppe begegnen.

Obwohl viele junge Hörer des Senders kaum die türkische Sprache beherrschen, wird in dem „Türkenradio“ des deutschen Medienkonzerns überwiegend Türkisch gesprochen. Das sei notwendig, um die die „emotionale Bindung“ an die „Heimat“ zu stärken. Woher die Entscheidung für die türkische Sprache letztlich kommt, kann man auf Blogs der türkischen Rechten nachlesen, die übrigens selbst meistens nur noch schlecht türkisch sprechen. Selbst bei Milli Görüs gibt es erst seit einigen Jahren eine Vielzahl von Publikationen,  die bewusst in türkischer Sprache herausgegeben werden. Für IGMG und andere Rechte ist die „Muttersprache“ zur Wahrung der kulturellen Werte unersetzlich. Gemeint sind die Werte des Islams.

Politiker von CDU über Grüne bis zur Linkspartei, die gerne von Ethnien & Kulturen sprechen, halten die Radiostation, obwohl sie überhaupt kein Wort verstehen, für „eine gute Gelegenheit, die Kultur der anderen näher kennen zu lernen und besser zu verstehen.“

In Bundestags– und Landtags-Anfragen zur Lage der „ethnischen Medien in Deutschland“, wird „Metropol FM“ in sozialtechnologischer Absicht und in der  Terminologie des kulturalistischen Essenzialismus als „Brückenbauer zwischen den Kulturen“ gefeiert.

Zu den Koperationsparrtner zählen inzwischen die Polizei, die Bundesagentur für Arbeit,   die Deutsche Islam-Konferenz, die Robert-Bosch-Stiftung, mehrere Museen und die Werkstatt der Kulturen.

Ganz im Sinn dieser Partner werden die Weichen des Senders jetzt deutlicher in die „ethno-religiöse Richtung (Religion als Kern „türkischer Identität“) gestellt:

„Metropol FM möchte neben seiner bisherigen Klientel verstärkt auch religiöse deutschtürkische Zuhörer zu erreichen.“

Zusammen mit Vereinen wie „Muslimische Stimmen“, „Deutsch-Arabisches-Zentrum“, einer „Türkisch-Deutschen Gemeinde“ (die es nicht gibt: gemeint ist die Türkische Gemeinde Berlin) und dem halbstaatlichen Event-Netzwerk „Summer of Berlin“ sowie medial unterstützt von Taz, zitty und RBB-Kulturradio werden inzwischen die „Nächte des Ramadan gefeiert.

Während dieser Zeit sendet „Metropol FM“ jeden Tag bei Einbruch der Dunkelheit ein Fastengebet. Während es in vielen muslimischen Ländern Proteste gegen das von radikalislamischen Fanatikern forcierte Zwangs-Fasten und den damit einhergehenden Tugendterror gibt, sind auch glaubensferne deutsche Antirassisten der Meinung, dass Ramadan-Feiern im öffentlichen Raum der interkulturellen Völkerfreundschaft dient.

Weniger begeistert von „Metropol FM“ ist unter anderem die Gruppe „Kurdische Jugend“, die den Sender 2014 wegen seiner Erdogan-kompatiblen Berichterstattung über Kobane kurzzeitig besetzte und die  Beendigung der Unterstützung des „Islamischen Staats“ durch die türkische Regierung forderte. Sie wurden nach eigenen Angaben von Sicherheitskräften und Mitarbeitern des Senders brutal angegriffen.

 

Günther Jacob, Christian Helge Peters : KollegiatInnen : Universität Hamburg, Kontakt. Tel.: +49 40 42838 9530. E-Mail: ChristianHelge.Peters“AT“wiso.uni-hamburg.de., Christian Helge Peters – soziologieblog, Peters, Christian Helge – PSi#23, Christian Helge Peters bei transcript Verlag, 

 

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