Identitärer Antirassismus als hegemoniale Leitideologie

 (The new Face of Anti-Racism. Die FSK-Sendung ANILAR FM, Teil 9)

(9)

Ethno-Antirassismus für die Berliner Republik

(9.1.)

Das Staatsprogramm „interkultureller Dialog“ schützt die Komplizenschaft des FSK mit islamisierten Faschisten.

Der Auftritt von AKP & MHP im Hamburger „türkischen Community Radio ANILAR FM“  ist im identitären ethnopluralistischen Antirassismus und dessen  Ausprägung als Critical Whiteness/Privilegien-Ideologie  angelegt. Die Einladung von islamisierten Faschisten hat die im linksidentitären Antirassismus angelegten Konsequenzen auf den Begriff gebracht.

Um diesen Zusammenhang zu verdunkeln, wird der Fall ANILAR in Hamburg als Betriebsunfall bagatellisiert, obwohl der angebliche „Extremfall“ seit 10 Jahren Normalzustand im FSK ist: Seit 2006 waren immer wieder radikalislamische und islam-faschistische Funktionäre im FSK. Die ethnopluralistischen Förderer dieses „Community Radios“ haben selbst die entsprechenden Einladungen auf der Sender-Homepage publiziert.

So oder so bewirkten diese Vorfälle damals und heute kein Erschrecken. Und es wäre überhaupt nichts passiert, wenn die Kritik an dem „türkischen Community Radio Anilar FM“  nicht dem Auftritt von Grauen Wölfen gegolten hätte (die man rasch zu  „Nationalisten“ und „Faschisten“ machte, damit das  Thema der Re-Islamisierung außen vor bleibt), sondern der  radikalislamischen AKP.

Auch wenn jemand die schiitischen Islamisten von der  „Blauen Moschee“ zum „Dialog“ in den Sender geladen hätte, würde das dort nicht für die geringste Empörung reichen. Den Imperativ: „keine radikal-islamischen Personen im FSK!“ kann man von kulturalistischen Antirassisten nicht erwarten.
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(9.2.)

Für die antisemitische Hamburger Schura ist auch die Linkspartei ein wichtiger Partner

Außerdem dialogisieren in Hamburg doch auch Senat, Kirche, Paritätischer Wohlfahrtsverband und Linkspartei mit den Antisemiten von SCHURA und „Blauer Moschee“. Neben Staat & Kirche gilt der antisemitischen Hamburger Schura besonders die Linkspartei ein wichtiger Partner, der viel zur gesellschaftlichen Anerkennung radikalislamischer (schiitischer und sunnitischer) Akteure beiträgt:

Gleich viermal (2006, 2008 und 2x 2009) demonstrierte man gemeinsam gegen Israel. Norman Paech, der 2010 mit der türkischen IHH auf der „Mavi Marmara“ gen Gaza reiste, trat stets als Hauptredner auf.  Christiane Schneider, einst im KBW und BWK, setzt sich in der Hamburger Bürgerschaft verlässlich für die Schura ein. Das obere Foto zeigt eine Rede von ihr auf einem „Osterempfang“ von Schura und Ditib, der dem Kampf gegen Rechtspopulismus“ (!) gewidmet war (die Schura-Funktionäre, schauen derweil unter dem Tisch auf ihre Smartphones).

Eine verdeckte Ermittlern, die vor über 10 Jahren auch im FSK unterwegs war, wurde zum jahrelangen Thema von Schneider, aber zu den unverdeckt im FSK auftretenden Grauen Wölfen und AKP-Kadern, die mit Ditib und Schura ein gemeinsames Milieu bilden, schweigt sie. Das ist nicht überraschend, denn Mitglied des Linkspartei- Bündnispartners Schura ist unter anderem der Avrupa Türk-Islam Birliği (ATIB), der zum Spektrum der Grauen Wölfe zählt.

Schneider fordert seit Jahren, dass die Beobachtung der Schura-Mitgliedsverbände – also auch die der islam-faschistischen Grauen Wölfe –  durch den Verfassungsschutz eingestellt wird, weil diese Beobachtung „die Vorurteile der Islamhasser“ bestätigeAuch von dieser Seite wird die Einladung von MHP & AKP in das FSK-Studio also gedeckt.

Es ist übrigens naheliegend, dass mit dem im FSK verkehrenden Personal des Hamburger türkischen Konsulats auch Agenten des türkischen Geheimdienstes im Sender waren: Die Enthüllungen zu Anilar FM wurden von türkischsprachigen Linken in Gang gesetzt, die seither von dem Anilar-Moderator und den identitären Antirassisten gemeinsam denunziert werden.  In einem Fall kam es zu anonymen Drohanrufen.

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(9.3.) 

Der kulturalistische Antirassismus ist eine Ressource der anti-etatistischen deutschen Innenpolitik und der „supranationalen“ deutschen Außenpolitik.

Selbst wenn ANILAR FM aus anderen Gründen (z.B. Verstoß gegen die Vereinssatzung) plötzlich nicht mehr senden dürfte, würde der ideologische Rahmen, der dieses „Türkische Community Radio“ erst ermöglichte, unverändert bleiben, weil es keine Kritik am identitären Antirassismus gibt und wohl auch in Zukunft nicht geben wird, denn dieser linksbürgerliche kulturalistisch-essentialistische Antirassismus IST der kleinste gemeinsame Nenner für ein Milieu, das kaum noch etwas anderes politisch eint.

Der kulturalistische Antirassismus ist eine Ressource einer deutschen Innenpolitik, die auf die kostensparende Auflösung des Sozialstaates in Ehrenamt, Eigenverantwortung, Migranten-Selbstorganisation und ethnisierte Kulturkollektive setzt sowie einer  deutschen Außenpolitik, die mit Leitlinien wie „No Borders in Deutsch-Europa“ und „Kulturnation statt Nationalstaat“ strategische „anti-islamophobe“ Komplizenschaften mit Ankara, Riad und Teheran gegen Israel und die USA verfolgt und Kriegsflüchtlinge zwecks Ausweitung des Einflusses im Nahen Osten instrumentalisiert.

Für alternative  und genderistische Szenen, die auf die eine oder andere Weise von der boomenden und im Geld schwimmenden Berliner Export-Republik profitieren, sind identitärer Antirassismus und Critical Whiteness zugleich kulturelle Codes der Zugehörigkeit und Qualifizierungsnachweise für Mitmachen beim großen kulturalistischen Umbau und beim antiimperialistischen Bündnis gegen den US-amerikanischen Protektionismus.

So gelingt es, allem was sich in der Welt so regt, die Perspektive des „Respekts“ vor „Kulturen“ und „Identitäten“ zu unterschieben und sich dabei über die Zustimmung von Staat, Parteien, Medien und Kirche zu freuen.

Die Möglichkeit, daran etwas zu ändern, ist eher gering. Auf der Grundlage dieses kulturrelativistischen Identitäts-Antirassismus können alle möglichen Strömungen und Haltungen blühen. Man kann sich linksradikal geben oder am bundesdeutschen Mainstream orientieren – im Zweifel sind alle irgendwie bunte (also identitäre) machtsensitive, rassismuskritische und whiteness-kritische Antirassisten.

Gerade im antilaizistischen Deutschland kann es kaum anders sein. Eine Charlie-HebdoLinke wird es hier nicht geben.


„Ethnopluralismus“ – Artikel aus der deutschen Ausgabe von Charlie Hebdo, Januar 2017
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Eine wichtige Funktion dieser „türkischen Community-Sendung“ bestand aus FSK-Sicht immer darin, dass deren Existenz unabhängig von jedem Inhalt die eigene gute Gesinnung beweist, vor allem den Willen „fremde Kulturen“ zu respektieren. Dieses ideologisch motivierte  desinteressierte und sich gegenseitig instrumentalisierende Nebeneinander, mündete in eine rassistische Komplizenschaft.

Die kann man sich erlauben, weil es  – siehe die Kumpanei von Staat und Parteien – anderswo genauso zu geht. Mit den selben Begründungen. 


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(9.4.)

Zur Illustration:
FSK-Verhältnisse bei anderen Ethno-Antirassisten

(a) Linkspartei: antirassistisch mit Hamas

(b) Rote Antifa: antirassistisch gegen „Besatzung und Krieg“

Im Weltbild antiimperialistischer  Antirassisten erscheint der für „Besatzung und Krieg“ verantwortlich gemachte  Judenstaat als Zentrum des „antimuslimischen Rassismus“. Muslime bilden demnach die „Avantgarde“ im antiimperialistischen Kampf.  In großen Teilen der Linken ist Antirassismus heute nur ein anderes Wort für Judenhass. Der antimuslimische Rassismus“ ist eine gemeinsame Erfindung von radikalislamischen Parteien und Ethno-Antirassisten: Anders als die Hauttönung, nach der ein Rassist Menschen sortiert, ist eine Ideologie wie der Islam  ein frei wählbares und daher veränderliches Merkmal.


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c) Linkswende: antirassistisch mit AKP und MHP


Rechts: Karikatur aus der deutschen Ausgabe von Charlie Hebdo
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Im Juli dieses Jahres rief in Wien die ethno-antirassistische Gruppe „Linkswende“ gemeinsam mit radikalislamischen AKP-Anhängern und islamisierten MHP-Faschisten zur „Verteidigung der Demokratie durch die Menschen in der Türkei“ auf. Als „Verteidigung der Demokratie“ bezeichnete man Erdogans Gegen-Putsch. 1200 linksidentitäre Antirassisten und islamisierte Faschisten liefen unter Allahu-Akbar-Rufen durch die Stadt und begrüßten das Lynchen von Soldaten, die Zerstörung von HDP-Büros, die Angriffe des rechten Mobs auf alevitische und linke Stadtteile und die antisemitischen Parolen gegen die „Zinslobby“. Dabei wurde das von Kurden betriebene Lokal „Türkis“ angegriffen. Die Gruppe „Linkswende“ hatte sich zuvor bei den Wiener Refugees-Welcome-Demontrationen hervorgetan und dabei unter der Losung „Flüchtlinge und Muslime willkommen“ bereits auf ein Bündnis mit klerikalen Kräften gesetzt. Als die Gruppe wegen ihrer Zusammenarbeit mit radikalislamischen Faschisten aus dem Bündnis „Offensive gegen Rechts“ ausgeschlossen werden sollte, reagierten diverse Antira-Gruppen genau so,  wie die Mehrheit im FSK auf Anilar FM reagierte: Die „Linkswende“ hätte doch selbstkritisch reagiert (sie variierte nur ihre Rechtfertigungen) und hinter dem Ausschluss-Versuch stecke „antitürkischer“ und „antimuslimischer“ Rassismus und „bürokratisches“ Denken.

Günther Jacob, Werner Pomrehn, Freies Sender Kombinat, Transmitter, Joscha Hendrix Ende, Christian Helge Peters, KollegiatInnen, Universität Hamburg, Mail ChristianHelge.Peters@wiso.uni-hamburg.de., Christian Helge Peters – soziologieblog, Peters, Christian Helge – PSi#23, Christian Helge Peters bei transcript Verlag, 

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